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Erfahrungsberichte

200 Ärzte an Ihrem Krankenbett

Weil Hausärzte einer großen Belastung ausgesetzt sind und sich um eine wachsende, immer älter werdende Bevölkerung kümmern müssen, wenden sie sich für eine Arbeitserleichterung der Technologie zu.

200 Ärzte an Ihrem Krankenbett

In diesem Artikel erläutert der niederländische Allgemeinmediziner Bart van Pinxteren, wie Ärzte die mobile Nachrichtenübermittlung nutzen können, um informelle Beratungsgespräche zu erleichtern und in Echtzeit hunderte von Kollegen zu erreichen, um so ihre Patienten schneller behandeln zu können und vermeidbare Überweisungen an Spezialisten zu umgehen.

Es gibt mehr als 60.000 Allgemeinmediziner im Vereinigten Königreich, die sich um eine wachsende und alternde Bevölkerung mit komplexen Bedürfnissen kümmern. Im Ergebnis dieses Drucks auf die Erstversorgung wenden sich Ärzte zur Erleichterung ihrer Arbeit an die Technologie.

Eine Studie mit 200 Allgemeinärzten zeigt, dass mobiles Messaging als wertvolle und lehrreiche Plattform zur Unterstützung in Patientenfällen angesehen wird. Während Ärzte bereits seit Jahrhunderten über Fälle beraten, hat die Einführung der mobilen Technologie als Crowd-Sourcing-Tool – das die Beratung mit hunderten von Ärzten auf einer einzigen Plattform ermöglicht – sowohl praktischen als auch lehrreichen Wert. 

Das Bewusstsein für und die Sorge um die Sicherheit von Patientenhistorien, die online gespeichert und geteilt werden, steigt. Wer für die Verbreitung von Informationen – ob absichtlich oder versehentlich – verantwortlich ist, wird dafür zur Rechenschaft gezogen. Deshalb ist es unabdingbar, eine pannensichere Lösung zu finden, die sicherstellt, dass sensible Daten geschützt sind. Es besteht außerdem der Bedarf für eine schnelle und einfache Kommunikation, um den Druck auf die Gesundheitspflege zu mindern, da immer größere Patientenzahlen von der Akutversorgung zur örtlichen Pflege überwiesen werden. 

Die Befähigung von Hausärzten, Wissen und Spezialisierungen auf einer breiteren Ebene durch Crowd-Sourcing – also das Sammeln und Finden von Informationen durch die Einbindung einer großen Anzahl an Menschen – miteinander zu teilen, ist eine der effektivsten Möglichkeiten, die Kommunikation und Zusammenarbeit in der Allgemeinmedizin zu verbessern und die verfügbaren Ressourcen zu optimieren. Der uneingeschränkte Zugriff auf hunderte von Ärzten, die auf unterschiedliche Gebiete spezialisiert sind und deren Erfahrungen sich ergänzen, erweitert die Möglichkeiten in der Patientenpflege und vermeidet Überweisungen an weitere Abteilungen.

Das Crowd-Sourcing ist zwar auch auf anderen Wegen, zum Beispiel per E‑Mail, möglich, hat aber Nachteile wie eine längere Zeitspanne und begrenzte Dateigrößen. Man könnte SMS nutzen, dieser mobile Dienst könnte aber langfristig gesehen sehr teuer werden.

Ein geteiltes Problem

Mobiles Messaging hat sich als effektivste Methode für asynchrone Unterhaltungen unter Kollegen oder großen Gruppen von Medizinern erwiesen.

Meine persönliche Erfahrung zeigt, dass ich es so vermeiden kann, zurückzurufen oder noch einmal in die Praxis zurückzukehren, um nach einer Krankenschwester oder einem Arzt zu suchen, der gerade in einem Beratungsgespräch sein könnte. Ich erinnere mich an den Fall einer Patientin mit einem ungewöhnlichen, blauen Schweiß. So etwas hatte ich in meiner langjährigen Tätigkeit als Mediziner noch nicht gesehen und war mir bei der Erstberatung nicht sicher, wie ich ihn am besten behandeln sollte. 

Ich wollte die Patientin nicht ohne Antworten nach Hause schicken und wollte sie auch nicht an einen Spezialisten überweisen, da ich mir nicht sicher war, ob das nötig war. 

Also habe ich während der Beratung mein Handy herausgeholt. Viele mögen das als unhöflich ansehen – in den meisten Fällen wäre das gerechtfertigt – aber in diesem Fall konnte ich so hunderte Allgemeinmediziner im ganzen Land kontaktieren.

Die Patientin gab mir ihre Einwilligung, ein Foto von den Symptomen zu machen, ich teilte es mit der Gruppe und erhielt innerhalb weniger Minuten eine Antwort; der Schweiß war ungewöhnlich, aber harmlos und es gab eine einfache Medikamentenbehandlung. Das Ergebnis einer kurzen Kommunikation war eine sichere Diagnose und die Patientin konnte beruhigt und ohne Bedarf für einen Folgetermin oder unnötige Termine bei einem Spezialisten nach Hause gehen.

Ich trete für Siilo ein

Ganz allgemein gesprochen sind die Vorteile der mobilen Kommunikation endlos, doch bei der Nutzung eines kommerziellen Messaging-Services wie WhatsApp muss man Vorsicht walten lassen – teils aufgrund der verschwimmenden Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben, aber auch wegen potentieller Schwachstellen, begrenzter Sicherheit und offensichtlicher Probleme bezüglich der Privatsphäre.

Statt den Weg des mobilen Messagings ganz aufzugeben, haben wir uns nach Alternativen umgesehen und Siilo gefunden. Siilo ist ein Messaging-Netzwerk-Dienst, der für medizinisches Fachpersonal entwickelt wurde und als kostenfreie Anwendung im App Store heruntergeladen werden kann. Aktuell wird die App von über 40% der Allgemeinmediziner in den Niederlanden genutzt. 

Durch verbesserte Log-In-Prozesse inklusive Erkennung per Fingerabdruck, einer eingebauten Funktion für das Verschleiern von Fotos zwecks Anonymisierung geteilter Bilder und der separaten, verschlüsselten Speicherung ermöglicht mit der Messenger mir, Patienteninformationen, Fotos und Testergebnisse vertraulich und in Echtzeit an Allgemeinmediziner, Apotheker und Fachärzte weiterzuleiten und noch während der Beratung Antworten zu erhalten. Die App gestattet mir außerdem eine schnelle Kommunikation mit Kollegen in und außerhalb unserer Praxis ohne die Einschränkungen von Telefonaten oder E‑Mails, und ich kann mir sicher sein, dass niemand außerhalb der Medizinbranche diese Informationen sehen kann.

Die App hat die Hürden der Kommunikation über die Grenzen von Gesundheitspflege-Organisationen und Regionen hinaus gesenkt und die Kommunikation zwischen Erstversorgern und Spezialisten erheblich erleichtert. 

Die Siilo-Gruppe, die ich nutze, und in der über 200 Allgemeinmediziner Mitglied sind, ist eine von vielen durch Ärzte initiierten Gruppen. Dass Ärzte es selbst in die Hand nehmen können, unabhängig von ihrer geografischen Position ein digitales Netzwerk unter Kollegen aufzubauen, ist beeindruckend.

Die informelle Diskussion von Patientenfällen unter medizinischen Fachkräften hat es seit Anbeginn der Medizin gegeben, doch jetzt erweitern wir die Möglichkeiten durch den digitalen Fortschritt.

Crowd-Sourcing in einem professionellen Umfeld ist ein einflussreicher Mechanismus für das Sammeln und Teilen von Informationen mit Spezialisten und Allgemeinmedizinern, der Überweisungen und Wartezeiten für Patienten verringern und letztlich ihre Erfahrungen in der Erstversorgung verbessern könnte.